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Das Vatikanische Geheimarchiv

Die antiksten Dokumente des Vatikanischen Geheimarchivs betreffen Schenkungen, Kirchenverzeichnisse und karitative Angelegenheiten.Ab dem IV Jh., nach der Anerkennung der Römischen Kirche, entsteht ein wahres Archiv. In jener Zeit theologischen und künstlerischen Eifers wurde die Peterskirche erbaut.Im Mittelalter wurde das Archiv erweitert und blieb bis in das XIII Jh. im Lateran.



Zu Zeiten Gregors des Grossen wurde ein Teil des Vatikanischen Geheimarchivs in der Peterskirche aufbewahrt, beim Grab des San Pietro, ein Teil im Turm "chartularia", beim Titusbogen, und ein Teil in der Garderobe der Römischen Kirche (Vestiarium Sanctae Romanae Ecclesiae), beim Lateran. Leider ist nur wenig davon übrig geblieben, das Material war zu empfindlich, die Umzüge oft abenteuerlich und Kriege und Ausplünderungen taten den Rest (zum Beispiel in Rom 1084).



Unter Innozenz III (1198-1216), zur Zeit des Franziskus von Assisi und Domenico di Guzman, brachte der kulturelle, wirtschaftliche, politische und religiöse Eifer umfangreiches Dokumentationsmaterial hervor, das die Vatikanischen Archive aufzubewahren hatten.
Das Vatikanische Geheimarchiv wurde in den Vatikan verlegt und die Register wurden regelmässiger. Leider wurde das Material dann mit den Päpsten nach Lyon, Viterbo, mit Bonifazius VIII nach Anagni, mit Benedikt XI nach Perugia gesandt.

Hier blieb das Archiv für einige Jahre und wurde dann teils nach Frankreich, teils nach Assisi und schliesslich nach Avignon geschickt. Das Archiv erlitt Verluste, auch aufgrund der Konflikte, von denen wertvolle Zeugnisse im heutigen Vatikanischen Geheimarchiv erhalten sind.
Mit Urban VI und Bonifazius IX, Innozenz VII und Gregor XII, entwickelte sich in Rom ein weiteres Archivzentrum.



Die Dokumente und Bücher des Vatikanischen Geheimarchivs waren daher auf die verschiedenen päpstlichen Sitze verteilt. Martin V (1417-1431) begann mit der Zusammentragung des Materials. Sixtus IV (1471-1484) gründete die Vatikanische Bibliothek, die eine geheime Bibliothek enthielt, die der Archivierung diente. Einige Dokumente wurden in die Engelsburg gebracht und überstanden hier glücklicherweise die Plünderung Roms im Jahre 1527.


Pius IV hielt ein Geheimarchiv des Heiligen Stuhls für angebracht (geheim steht für privat, nicht öffentlich zugänglich) und gründete ein zentrales Vatikanisches Archiv im Apostolischen Palast im Vatikan.
Das Projekt war umfassend und wurde von seinen Nachfolgern fortgeführt (Pius V, Gregor XIII, Sixtus V, Clemens VIII). Unter letztem entstand endlich das Vatikanische Archiv in der Engelsburg, Archivum Arcis Sancti Angeli.



Paul V befahl, dass alle Dokumente des Heiligen Stuhls und der Apostolischen Kammer an die Wärter der Vatikanischen Bibliothek oder des Archivs der Engelsburg abgegeben werden sollten.
Der Sitz des neuen Vatikanischen Archivs umfasst drei Säle, die neben der Vatikanischen Bibliothek liegen. Hier sind Fresken unzähliger Künstler zu sehen und zwischen 1612 und 1614 wurde hier der erste Teil des Vatikanischen Geheimarchivs untergebracht
1615 wurde die erste Inventur des Archivs der Vatikanischen Bibliothek verfasst.

Das Vatikanische Archiv erreichte nach und nach seine Unabhängigkeit von der Apostolischen Bibliothek, und 1630 erhielt es weitere Räume zur Archivierung des diplomatischen Materials des Heiligen Stuhls. 1783 wurde das in Avignon verbliebene päpstliche Archiv nach Rom zurück gebracht.

1810 verlangte Napoleon I das Archiv und die Kunstwerke nach Paris zurück. Erst zwischen 1815 und 1817 kehrte alles, nicht ohne Verluste und Schäden, in den Vatikan zurück.
Unter Pius IX (1846-1878) beschlagnahmte die italienische Regierung Teil des Archivs.



Leo XIII (1878-1903) stellte das Geheimarchiv den Gelehrten zur Verfügung.
Der freie Zutritt zum Archiv machte die Dienste des Heiligen Stuhls für Kultur und Forschung qualifizierter. Viele Kulturinstitute verdanken ihre Gründung der weitsichtigen Geste Leos XIII. Es sei an die Französische Schule, das Germanische Institut für Geschichte, die Belgische Akademie, das Österreichische Kulturinstitut, etc. erinnert.
1884 gründete Leo XIII die Schule für Paläographie und Diplomatik, um die Lehre der Kirchengeschichte zur fördern.

Nach dem ersten Weltkrieg intensivierte der Heilige Stuhl die internationalen Beziehungen und den Austausch mit der religiösen und nicht-christlichen Welt, und die Menge an Schriftstücken nahm weiter zu. Das Vatikanische Geheimarchiv erhielt nun auch die Räume des Turmes "Torre dei Venti", deren Fresken in den Jahren 1580-1582 durch die Hand des Niccolò Circignani (genannt Pomarancio) und der Flämen Matteo und Paolo Bril entstanden.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurden dem Archiv die Räume über der Landkarten-Galerie der Vatikanischen Museen zur Verfügung gestellt.
Die umfassendste Erweiterung erfuhr das Archiv mit einem von Papst Johannes Paul II am 18. Oktober 1980 eingeweihten Gebäude.



Für die Gelehrten ist das Vatikanische Geheimarchiv eine unerschöpfliche Quelle. Die Konsultation ist in den vom Papst genehmigten Zeiträumen erlaubt; während des gesamten Pontifex unter Benedikt XV (1914-1922) war es zugänglich. Seither ist es wieder "geheim".

Diplom des Kaisers Otto I, Dokument aus dem Jahr 962 v.Chr.






Anschrift der englischen Magnaten zur Eheannullierung von Henry VIII




Einer der Aufbewahrungsräume des Vatikanischen Geheimarchivs





Erster von drei Sälen der Adels-Etage

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